Samstag im März 2026 - vor Palmsonntag
Ludo, mein ständiger Begleiter auf vier Pfoten geht. Nicht einfach so! Wir entscheiden, um ihn vor dem Leiden zu bewahren, dass nach der Diagnose wie ein Baum bei Tempo 100 direkt vor dir steht. Unausweichlich!
Er hatte fast 14 glückliche Jahre auf dieser Erde, 24/7 immer in unserem Herzen und immer ein Teil unserer Gedanken! Und plötzlich ist da diese Leere, die man nicht greifen kann. Eher still, aber mit einer Wucht, die sich irgendwo zwischen Brust und Gedanken festsetzt.
Seitdem zieht es mich hier hoch. Auf diesen Hügel den wir vom Küchenfenster sehen. Zu dieser kleinen Kapelle auf dem Michaelsberg. Ich kann dir nicht sagen, warum. Ich bin kein Mensch, der an irgendetwas glaubt, das mir andere erzählen und das man nicht sehen oder spüren kann. Und trotzdem stehe ich hier.
Heute ist Montag. Das Wetter spielt verrückt. Wind, Regen, dieses schwere Grau, das alles ein bisschen enger macht. Dann dieser eine Donner, kurz und klar. Fast wie ein Schnitt durch den Moment.
Genau da klingelt mein Telefon. Das Krematorium. Sie sagen mir, sein Körper ist jetzt bei ihnen und dass das, was bleibt, bald wieder bei uns ist. Worte, die eigentlich nur informieren sollen – und doch etwas auslösen, das tiefer geht als jedes Gespräch. Ich stehe in dieser Kapelle, das Telefon noch in der Hand. Und während ich versuche, diesen Moment zu sortieren, passiert etwas, das ich so nicht planen kann: Licht strahlt durch die Türe. Der Himmel reißt auf und die Sonne kommt durch. Nicht zaghaft, sondern ganz klar. Ich brauche keine Bilder von Engeln, keine Geschichten von oben und unten, um mein Leben zu verstehen. Und trotzdem fühlt sich dieser Moment nicht zufällig an. Vielleicht ist es genau das! Es gibt keinen Zufall. Ich habe vor einigen Wochen noch über diesen Ort gelesen. Über den Erzengel Gabriel. Der, der keine Kämpfe führt, sondern Botschaften bringt. Der auftaucht, wenn sich etwas verändert. Wenn ein Kapitel endet und ein neues beginnt, auch wenn man noch nicht weiß, wie es aussieht.
Genau so fühlt sich das hier gerade an. Nicht wie ein Wunder oder ein Beweis. Sondern wie ein Moment, der plötzlich Sinn ergibt, ohne dass ihn jemand erklärt.
Der Donner. Der Anruf. Die Sonne.
Drei Dinge, die in dieser Kombi genau das erzählen, was ich gerade nicht in Worte fassen kann: dass etwas zu Ende geht. Und gleichzeitig etwas bleibt.
Diese alte Geschichte von der goldenen Feder kommt mir wieder in den Kopf. Ein Zeichen, das niemandem etwas vorschreibt. Das dich nicht zwingt. Das einfach nur da ist. Du entscheidest, ob du ihm folgst. Vielleicht ist genau das passiert. Kein „Du musst“.
Ich hatte nur dieses leise Gefühl, wieder hier hochzugehen. Noch einmal.
Die Kapelle trägt den Namen Michael. Der, der schützt. Der Grenzen setzt. Und irgendwo dazwischen steht diese andere Idee – Gabriel. Der, der zeigt, still aber ganz bewusst. Vielleicht braucht man keine Religion, um solche Momente zu verstehen. Vielleicht reicht es, sie zuzulassen.
Ludo ist weg. Sein Körper ist es zumindest. Aber das, was zwischen uns war, bleibt für immer.
Und genau deshalb stehe ich heute hier auf diesem Hügel, mitten im Unwetter, mit einem Telefon in der Hand und merke, dass das Leben gerade kurz innehält . Dieser Moment, der mich packt, um etwas spürbar zu machen.
Und dann ist da Ludo.
Ludo war keiner, der sich in den Vordergrund gedrängt hat.
Er war einfach da, präsent. Ruhig und ganz klar.
Er hatte diesen Blick, der nicht gefragt hat, sondern verstanden hat.
Der sich nicht vor den Schmerz gestellt hat, sondern sich daneben gelegt hat.
Wenn man diesem Gedanken von Gabriel folgt –
dann war Ludo genau so eine Art von Begleiter.
Kein Held und auch kein Kämpfer.
Sondern eine leise Verbindung zwischen dem, was ist, und dem, was man nicht greifen kann.
Warum schreibe ich das hier alles? Was hat das denn mit REISEN zu tun?
Indien,Sri Lanka und Mexiko, Länder, so wie ich sie erleben durfte, machen den Gedanken noch etwas klarer. Nicht als Ort auf der Landkarte, sondern als Perspektive. Denn in vielen Teilen Indiens, geprägt vom Hinduismus und vom Buddhismus – ist der Tod kein Ende, er ist ein Übergang. Kein Punkt, eher ein Komma.
Im Hinduismus gibt es diesen Gedanken von Samsara – dem Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt.
Die Seele, Atman, ist nicht gebunden an einen Körper, sie wechselt ihn,wie man ein Kleid wechselt. Der Körper vergeht. Das, was ihn belebt hat, bleibt. Das Feuer spielt dabei eine zentrale Rolle. Nicht als Zerstörung, sondern als Transformation. Was bleibt, ist nicht die Form – sondern das, was sie getragen hat. Auch im Buddhismus gibt es diesen Gedanken des Weitergehens. Kein festes „Ich“, das bestehen bleibt – sondern ein Strom, eine Bewegung, die sich fortsetzt. Man soll nicht festhalten, nicht klammern, sondern weitergehen. Und dann steh ich plötzlich wieder auf diesem Hügel in Bönnigheim.
Mit deutschem Himmel, mit Regen, mit einem Telefon in der Hand.
Ich merke, dass diese Gedanken gar nicht so weit weg sind. Ludo ist gegangen. Sein Körper ist es zumindest. Aber das, was er war, passt in keine Urne. Vielleicht ist es genau das, was diese alten Kulturen nie vergessen haben:
Dass Leben nicht nur das ist, was sichtbar ist.
Und dass Abschied nicht bedeutet, dass etwas wirklich verschwindet. Auch meine Zeit in Mexiko hat mir die Augen geöffnet. Der dia de los muertos feiert den Tod. Hier wird nicht getrauert, denn die Toten kommen immer wieder zurück, zu denen, die sie nicht vergessen. Ich bin immer noch Atheist. Aber ich stehe hier, zwischen Donner und Sonne. Zwischen Anruf und Erinnerung. Und ich merke, dass es Momente gibt, in denen man nichts glauben muss, sondern in denen man etwas spürt, das größer ist als jede Erklärung.
Mein Fazit
Als mein Vater gegangen ist, kam mir diese Erkenntnis: Du kannst nichts aufheben. Keine Reise, keinen Wunsch, kein „Das mache ich später“. Es gibt dieses „später“ oft einfach nicht. Und genau deshalb stehe ich heute nicht nur auf diesem Hügel. Ich stehe immer wieder an neuen Orten. Weil da diese Neugier in mir ist, dieses kindliche Gefühl, Dinge sehen zu wollen, bevor man darüber spricht. Denn nur das, was ich wirklich erlebt habe, hat eine Bedeutung, die bleibt.
Deshalb lade ich immer wieder dazu ein, mich zu begleiten.
Du sollst keine Orte abhaken, keine Bilder archivieren, sondern dieses "Hinter-die-Kulissen-Schauen" kennenlernen. Um zu verstehen, warum Menschen glauben, was sie glauben, warum sie Rituale leben und warum sie Dinge tun, die auf den ersten Blick fremd wirken.
Und plötzlich sind sie gar nicht mehr fremd.
Wenn du in Indien stehst, inmitten von Feuer, Rauch und Stille, erlebst, wie im Hinduismus der Tod nicht als Ende gesehen wird, sondern als Übergang… Wenn du im Buddhismus spürst, dass alles im Fluss ist, dass nichts festgehalten werden kann… dann verändert es dich und deine Sicht auf das Leben. Nicht, weil du plötzlich alles glaubst, sondern weil du verstehst, dass es mehr als nur eine Sicht auf die Welt gibt.
Nicht gestern, nicht irgendwann, nur JETZT.
Und genau dieser Moment fordert etwas von dir: Neugierig bleiben, dich bewegen. Dinge sehen wollen, wie ein Kind, das nicht fragt, ob es Sinn macht, sondern einfach losgeht.
Das ist der eigentliche Kern von allem.
Nicht stehen zu bleiben, auch wenn das Leben dir Gründe gibt, genau das zu tun. Sondern weitergehen, mit offenen Augen, mit offenen Gedanken und mit dem Wissen dass das, was du erlebst, das Einzige ist, worüber du wirklich sprechen kannst.
Deshalb reise ich weiter!
Um näher dran zu sein. An all den Menschen, an ihren Geschichten, eben am Leben selbst.
Und vielleicht auch ein kleines Stück näher an mir selbst.
Wenn du bis hier gelesen hast, dann verstehst du mich ein wenig besser und vielleicht hast du ja Lust, mich auf meinen Reisen zu begleiten.
FAQ`s
Hinduismus
Der Hinduismus ist eine der ältesten noch praktizierten Religionen der Welt, entstanden auf dem indischen Subkontinent. Er umfasst ein breites Spektrum an Glaubensrichtungen, Ritualen und philosophischen Schulen und prägt die Kultur Südasiens bis heute tiefgreifend.
Zentrale Fakten
- Ursprung: ca. 1500 v. Chr. (Indischer Subkontinent)
- Heilige Schriften: Veden, Upanishaden, Bhagavad Gita, Mahabharata, Ramayana
- Anhängerzahl: über 1 Milliarde weltweit
- Hauptgötter: Brahma, Vishnu, Shiva, Devi (u. a.)
- Verbreitung: vor allem in Indien, Nepal, Bangladesch, Bali, Mauritius
Glaube und Philosophie
Der Hinduismus hat keinen einheitlichen Gründer oder zentralen Glaubenssatz. Stattdessen beruht er auf einem Netzwerk von Mythen, Ritualen und Philosophien, die das göttliche Prinzip (Brahman) in vielfältiger Gestalt verstehen. Zentrale Konzepte sind Dharma (kosmische Ordnung und ethische Pflicht), Karma (Ursache-Wirkungs-Gesetz), Samsara (Wiedergeburtskreislauf) und Moksha (Befreiung daraus).
Religiöse Praxis
Rituale wie Puja (Verehrung), Pilgerfahrten zu heiligen Orten und Feste wie Diwali oder Holi sind wesentliche Bestandteile. Tempel bilden religiöse und soziale Zentren. Die Praxis reicht von häuslicher Verehrung bis zu komplexen priesterlichen Zeremonien.
Gesellschaftliche Rolle
Der Hinduismus hat das soziale und kulturelle Gefüge Indiens maßgeblich geprägt, einschließlich des traditionellen Kastenwesens und der ethischen Normen. Er beeinflusst Kunst, Musik, Architektur und Alltagsleben. Moderne Reformbewegungen und Philosophen wie Swami Vivekananda betonen die spirituelle Einheit aller Religionen und fördern soziale Reformen.
Gegenwart und globale Präsenz
Heute ist der Hinduismus weltweit verbreitet, mit bedeutenden Diasporagemeinschaften in Europa, Nordamerika und Afrika. In der globalen Spiritualität hat er durch Yoga, Meditation und ayurvedische Heilkunst nachhaltige Einflüsse entfaltet.
Buddhismus
Der Buddhismus ist eine weltweit verbreitete Religion und Lebensphilosophie, die auf die Lehren des indischen Prinzen Siddhartha Gautama, des „Buddha“ („der Erwachte“), im 5. Jahrhundert v. Chr. zurückgeht. Er zielt auf die Überwindung von Leid und die Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt (Samsara) durch Erkenntnis, Ethik und Meditation.
Wichtige Fakten
- Entstehung: ca. 5. Jh. v. Chr. in Nordindien
- Zentrale Lehre: Vier Edle Wahrheiten, Achtfacher Pfad
- Hauptzweige: Theravada, Mahayana, Vajrayana
- Anhänger: über 500 Millionen weltweit
- Heilige Schriften: Tripitaka (Pali-Kanon) u. a.
Lehren und Praxis
Im Zentrum steht die Einsicht, dass alles Dasein von Vergänglichkeit und Leid geprägt ist. Der Buddha lehrte, Leid entstehe durch Anhaftung und Unwissenheit. Der „Achtfache Pfad“ beschreibt ethisches Verhalten, geistige Schulung und Weisheit als Weg zur Befreiung (Nirvana). Meditation und Achtsamkeit gelten als zentrale Übungsformen.
Schulen und Traditionen
Der Theravada-Buddhismus dominiert in Südostasien (z. B. Sri Lanka, Thailand) und betont die persönliche Erleuchtung. Der Mahayana-Buddhismus, verbreitet in Ostasien (z. B. China, Japan), stellt das Mitgefühl der Bodhisattvas in den Mittelpunkt. Der Vajrayana, besonders in Tibet, kombiniert meditative Praxis mit tantrischen Ritualen.
Ausbreitung und Einfluss
Vom Ursprungsgebiet in Indien breitete sich der Buddhismus über Handelsrouten nach Asien aus und beeinflusste Kultur, Philosophie, Kunst und Politik zahlreicher Regionen. Seit dem 20. Jahrhundert wächst auch in westlichen Ländern das Interesse an buddhistischer Ethik und Meditation.
Gegenwärtige Bedeutung
Heute ist der Buddhismus die viertgrößte Weltreligion. Seine Lehren zu Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und Achtsamkeit prägen interreligiösen Dialog, Psychologie und spirituelle Praxis weltweit. Moderne Bewegungen betonen soziales Engagement und ökologische Verantwortung.







